Anmelden

Mamma-Chirurgie

Erkrankungen der weiblichen Brustdrüse sind häufig, und immer steht die Frage im Raum, ob es sich dabei um Brustkrebs handelt. Durchschnittlich jede achte Frau ist im Verlaufe ihres Lebens mit dieser Frage konfrontiert.

Umso wesentlicher ist in diesem Gebiet die Erfahrung des betreuenden Arztes. Bereits als Oberarzt am Kantonsspital Aarau habe ich mir diese bei der langjährigen Leitung der spezialisierten Mamma-Sprechstunde aneignen können.

Durch die Entwicklungen der letzten Jahre, insbesondere durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Kollegen der Strahlentherapie und der Onkologie, hat sich die chirurgische Therapie des Brustkrebses völlig gewandelt.

Infolgedessen ist es nur noch in den seltensten Fällen notwendig, eine ganze Brust zu amputieren. In aller Regel kann Brustkrebs heute brusterhaltend operiert werden.

Abklärung

Der übliche Abklärungsgang bei einem spürbaren Knoten in der Brust besteht in einer Mammographie und einer Sonographie der Brust. Ist eine der beiden Untersuchungen pathologisch, so muss mit einer Feinnadelpunktion eine zytologische Diagnose zu stellen versucht werden.

Lässt sich damit der Befund nicht eindeutig als gutartig zuordnen, so muss der Knoten chirurgisch entfernt und histologisch untersucht werden. Je nach Grösse des Knotens kann dies maschinell in Lokalanästhesie erfolgen oder muss operativ als Mamma-PE in Narkose erfolgen.

Ist kein Knoten spürbar, handelt es sich also um einen Zufallsbefund anlässlich einer screening-Untersuchung, so muss die feingewebliche Diagnose stereotaktisch erfolgen. Auch die allenfalls notwendige Mamma-PE kann in diesen Fällen nur nach vorgängiger stereotaktischer Drahtmarkierung durchgeführt werden, da ja in der betroffenen Brust kein Knoten spürbar ist.

Operation

Bei der Mamma-PE wird ein spürbarer Knoten oder der präoperativ drahtmarkierte Anteil der Brustdrüse über einen kleinen Schnitt mit einem genügend grossen Sicherheitsabstand entfernt, zur genauen Lokalisation markiert und zur histologischen Aufarbeitung eingesandt.

Bei der brusterhaltenden Therapie von nachgewiesenem Brustkrebs müssen zusätzlich zum betroffenen Anteil der Brustdrüse über einen separaten Schnitt die Lymphknoten der Achselhöhle entfernt werden. Ist der Brustkrebs mittels Feinnadelpunktion nachgewiesen worden, so benötigt der Chirurg zwei Schnitte, geschah dies nach einer Mamma-PE, so genügt einer am Vorderrand der Achselhöhle.

Zur brusterhaltenden Therapie gehört obligat eine Nachbestrahlung der betroffenen Brust, die nach Abheilung der Hautschnitte durchgeführt wird. Nur damit sind die gleich guten Resultate zu erreichen wie früher mit der Amputation der ganzen Brust.

Die Amputation der Brust ist in seltenen Fällen auch heute noch notwendig, z.B. wo die Grösse des Brustkrebses ein ansprechendes kosmetisches Resultat der brusterhaltenden Therapie nicht erlaubt, wenn eine Frau keine Nachbestrahlung wünscht oder wenn in einer bereits operierten Brust erneut Brustkrebs diagnostiziert wird.

Die Operation erfolgt über einen queren Schnitt am Brustkorb, über den die gesamte Brustdrüse und die Lymphknoten der Achselhöhle entfernt werden. Eine Nachbestrahlung ist damit nicht notwendig, wenn alles bösartige Gewebe entfernt werden konnte.

Nachbetreuung

Die Nachbestrahlung gehört obligat zur brusterhaltenden Therapie. Ob nach der Brustoperation eine zusätzliche medikamentöse Therapie - sei es eine Chemotherapie oder eine Hormontherapie - notwendig ist, hängt in erster Linie vom Befall der Lymphknoten der Achselhöhle ab.

Sind diese vom Brustkrebs befallen, so verbessert die zusätzliche medikamentöse Therapie die Prognose erheblich. Da es sich dabei um ein eigenes Fachgebiet handelt, ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Onkologen unabdingbar. Ich arbeite bei der onkologischen Betreuung meiner Patientinnen mit Dr. M. Hagen zusammen.

Nach brusterhaltender Behandlung muss nach Abschluss der Nachbestrahlung eine Mammographie veranlasst werden. Diese zeigt die entstandenen postoperativen Veränderungen und ergibt den Ausgangswert für die weiteren jährlichen Nachkontrollen mittels Mammographie und ärztlicher Untersuchung.

Da das Risiko, nach durchgemachtem Brustkrebs erneut an Brustkrebs zu erkranken - sei es in der brusterhaltend operierten oder in der gesunden Gegenbrust - leider deutlich erhöht ist, muss die Gegenbrust bei den Nachuntersuchungen immer miteinbezogen werden.